Der folkloristische Tanz hat seine Wurzeln tief in der Tradition einer Nation. Er wird zumeist durch das Beobachten und Probieren erlernt und von den Völkern bei Feierlichkeiten, sozialen Begegnungen oder auch ganz spontan bei Zusammenkünften getanzt.
Historisch gesehen ist der Volkstanz ein Teil der Geschichte der Menschheit von Anfang an. Hinweise hiefür finden sich in der Malerei, wie z.B. in den Zeichnungen, welche in den Höhlen von Spanien und Frankreich gefunden wurden, in denen Jagdszenen und Rituale in Form von Tänzen dargestellt wurden. Dies gibt uns eine Vorstellung von der Bedeutung des Tanzes bereits in den frühen Beginnen der menschlichen Gesellschaft.
Natürlich hat sich der Tanz, wie jede andere Kunstform im Laufe der Zeit verändert. Gleich geblieben ist aber seine Bedeutung als Ausdruck für die Erfahrungen, Freuden, Erlebnisse der Menschen.
Im folkloristischen Tanz ist zu unterscheiden zwischen regionalen Volkstänzen und den Formen, die sich in städtischer Umgebung entwickelt haben. Volkstänzer sind Teil des kulturellen Erbes eines Volkes. In den regionalen Volkstänzen werden – wie der Name vermuten lässt – Anekdoten, Geschichten, Legenden der jeweiligen Region wieder gegeben oder sogar auch literarische Werke dargestellt.
Volkstänze in Venezuela
Die venezolanischen Volkstänze beweisen große Reichhaltigkeit und Vielfalt und zeigen damit, dass Venezuela ein stark multikulturell geprägtes Land ist. Die Volkstänze sind also das Resultat einer Vermischung der verschiedenen Grundlagen des Volkstums, wobei das Volk, das ja diese Grundlagen geerbt hat, sie nicht in ihren ursprünglichen Formen wiedergibt, sondern aus der Mannigfaltigkeit der verschiedenen Traditionen auswählt, und mit eigener neuer Gestaltung wieder- und überliefert.
Volkstänze sind dabei für die einzelnen Regionen typisch und deren Symbolik für die Identität der Menschen so wichtig, wie auch in anderen Bereichen täglichen Lebens (siehe Esskultur, etc.)
In der weiteren Folge wollen wir auch noch andere Volkstänze präsentieren.
Joropo (Nationaler Tanz)
Der Tanz wird in ganz Venezuela gespielt und getanzt.
„Los Llanos“ (die Ebene) ist eine Landschaft, an der die Bundesländer Barinas, Portuguesa und Apure ihren Anteil haben. Dort ist dieser Tanz sehr beliebt. In Apure, westlich von Venezuela (an der Grenze zu Kolumbien) – wo der Tanz zu Hause ist – wird am er am besten dargestellt.
Jedes Jahr werden in der Ortschaft „Elorza“ in Apure die Festlichkeiten „Fiestas en Elorza“ gefeiert, wo der „Joropo“ getanz und gesungen wird. Damit wird ein alter Gebrauch mit spanischem und sogar etwas afrikanischem Einfluss lebendig erhalten.
Wie tanz man „Joropo“
Der Ursprung dieses Tanzes geht auf das Jahr 1700 zurück, wo „El Ilanero“ (der Bauer) begann seine Feste – entsprechend den Freudenrufen – „Joropo“ zu nennen, welche zuvor die spanische Bezeichnung „Fandango“ trugen, weil bei dem Tanz eine gewisse Ähnlichkeit mit dem „Flamenco“ und den andalusischen Rhythmen besteht.
Die Instrumenten sind: Harfe, Cuatro( der Gitarre ähnlich, aber nur mit vier Saiten) und Maracas (Rassel). Dazu kommt die stimmliche Begleitung als wichtiger Teil des Joropo.
In anderen Bundesländern der Ebene wie Barinas, Portuguesa und sogar ein Teil von Apure wird die Bandola statt die Harfe benutzt.
Es ist ein wechselnder Rhythmus mit 3/4 oder 6/8 Takt. Man tanzt ihn als Paar, wobei immer der Mann die Frau führt. Sie folgt ihm mit Beobachtung und Geschicklichkeit.
Joropo ist Würde und Machismo gleichzeitig.
Tamunangue
Dieser Tanz geht zurück auf ein Fest, welches zu Ehren des Heiligen Antonius von Padua als Erntedank im Mai gefeiert wird und dabei auch verschiedene Kunsttänze aufgeführt werden. Die Bewohner des Bundeslandes Lara begehen dieses Fest besonders feierlich, daher hat dieser Tanz dort seinen Ursprung.
Venezolanischer Walzer
Man nimmt an, dass der venezolanische Walzer in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Viele Dokumente, die das bestätigen könnten, sind während des Unabhängigkeitskrieges verloren gegangen. Trotzdem fand der Walzer eine große Verbreitung. Wie auch in den europäischen Alpenländern hat der venezolanische Walzer seinen Ursprung in einer Art von „Ländler“ und wird besonders in den Bundesländern der Anden getanzt. Die Musik dazu wird jeweils auf regional vertretenen Instrumenten gespielt.
Der Walzer der mündlichen Überlieferung, auch Volkswalzer genannt, wird mit den typischen Instrumenten der jeweiligen venezolanischen Region gespielt und ist vor allem in den Anden und im zentralwestlichen Teil Venezuelas verbreitet.
Österreichische Volkstänze

Die Vielfalt in der österreichischen Kulturlandschaft und Gesellschaft drückt sich auch in den regional sehr unterschiedlichen Formen des Volkstanzes aus.
Seinen Ursprung hat er in bäuerlicher Umgebung und enthält auch Elemente ehemals höfischer und städtischer Tanzformen.
Zu besonderen den Feiertagen im Jahreskreis werden traditionell Volkstänze aufgeführt. Feste im Mai, Feiern von Berufsgruppen, Kirchtage und Hochzeiten, usw. sind beliebte Anlässe dafür. Im Karneval (österreichisch: „Fasching“) gibt es hier „Bälle“ und „Redouten“, bei denen viel getanzt wird. *)
Nicht alle Volkstänze können wir hier beschreiben, doch besonders erwähnen wollen wir traditionell:
Weitere Informationen zum Thema Volkstanz in Österreich finden Sie auf der Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz unter https://www.volkstanz.at/bag/index.htm sowie unter https://www.volkstanzkultur.at/index.htm.
Wiener Walzer
„Wiener Walzer“ – ist der älteste unserer städtisch, bürgerlichen Gesellschaftstänze, der Mitte des 18. Jahrhunderts die früheren Tanzformen der Aristokratie verdrängte. Er entwickelte sich aus dem so genannten „Deutschen Tanz“, der in der bürgerlichen Emanzipation der Zeit der Französichen Revolution zum Volkstanz wurde.
Beim „Wiener Walzer“ dreht sich dabei das Paar im 3/4 Takt schnellerer Musik.
Ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts (Wiener Kongress) bekam er immer größere Beliebtheit und viele berühmte österreichische Komponisten schrieben Musik dazu. Heute werden in Europa oft auch Wettbewerbe (Tanzturniere) abgehalten, bei denen der Walzer eine Rolle spielt.
Juristen Ball
Ländler
Ein Paartanz, der dem „Deutschen Tanz“ und dem „Walzer ähnlich sieht. Er hat einen heiteren Charakter und wird ebenfalls im Dreiertakt getanzt, jedoch mit nur mäßiger Geschwindigkeit. In Süddeutschland, der Schweiz, Österreich und Slowenien war er bis zum 19. Jahrhundert vielerorts der wichtigste und gebräuchlichste Tanz. Dazu gehören oft auch Tanzlieder die in den verschiedenen Dialekten gesungen werden.
In einigen Regionen ist „der Länder“ ein Werbetanz bei dem einzelne Paare ihre eigene Form tanzen. Die Figuren sind manchmal, auf Armbewegungen aufgebaute, Geschicklichkeitsübungen.
Schuhplattler
K. Horak, Schuhplattler aus Tirol, 1
Dazu gibt es auch fließende Übergänge zu einem anderen Volkstanz, der in Oberbayern und den westlichen österreichischen Bundesländern gepflegt wird, dem „Schuhplattler“.
Der Bursch, der um sein Mädchen wirbt, „plattelt“ (schlägt) sich dabei selbst auf Schenkel, Knie und Fußsohlen, klatscht in die Hände und stampft mit den Füßen, während sich das Mädchen allein, rechts vor ihm in Tanzrichtung weiter dreht.
Die Daumen unter die Hosenträger oder in das Ärmelloch gesteckt, geben die Männer immer wieder laute „Juchezer“ (einzelne Laut-Rufe) von sich, in der Hoffnung, dass die Angebetete sie erhören möge.
Den Abschluss bildet dann oft ein kurzer walzerischer Rundtanz mit dem „Dirndl“. (In ländlicher Umgebung werden die Mädchen oft nach ihrer Volkstracht – dem Dirndl – benannt).
Heutzutage ist der „Schuhplattler“ oft nur ein Schautanz von Männergruppen, bei welchem sich diese (leider !) nicht mehr um die Zuneigung der Mädchen und Frauen, sondern um den Beifall der Zuschauer bemühen. Vergleichbare Tänze gibt es in vielen Ländern Europas.
Brasilianische Volkstänze
Die Verschmelzung der afrikanischen, europäischen und einheimischen Kulturen bildet den Ursprung der brasilianischen Volkstänze.
Mit heidnischer oder religiöser Herkunft stellen diese Tänze einen Teil der Kultur des brasilianischen Volkes dar und erzählen ein wenig seine Geschichte.
Einige Tänze sind für Paare, andere für Runden oder Menschenschlangen. In der Folge liegt der Schwerpunkt auf vier brasilianischen Volkstänzen, aber es ist auch wichtig, die repräsentativen Tänze der brasilianischen Kultur , wie Congado, Caterete, Frevo, Coco und Maracatu zu erwähnen.
Wie in anderen Ländern der Erde werden die Volkstänze in Brasilien von Generation zu Generation weitergegeben und trotz einiger im Lauf der Zeit statt findenden Änderungen – gemäß der kulturellen Dynamik – sind diese Tänze lebendig und nahe ihren Originalen.
Bumba-meu-boi
Die Bumba-meu-boi, auch „boi-bumba“ genannt, ist ein Tanz, der speziell im Norden verbreitet ist und dessen Thema Tod und Auferstehung eines Stieres ist.
Portugiesischen und spanischen Ursprungs demonstriert dieser Tanz die Fragilität des Menschen und die wilde Stärke des Stieres.
Er besteht aus mehreren Figuren, aber der Stier spielt die Hauptrolle. Dieser besteht aus einem Rahmen in Form eines Ochsen, bestickt und mit Samt überzogen. Darin ist eine Person, die den Stier bewegt.
Quadrille oder Junifest
Diese Tänze werden im Juni und Anfang Juli aufgeführt.
Sie sind den Heiligen Antonius, Johann und Petrus gewidmet, stellen aber auch gleichzeitig ein heidnisches Fest dar.
Die Quadrille wurde im nationalen Fernsehen gezeigt und ist in den Städten im Landesinneren stark vertreten.
Es handelt sich um Paartänze, die von einem Zeremonienmeister geleitet werden, der die Tanzschritte dirigiert.
Der europäische Ursprung geht aus den Kommandos „aportuguesamente“, französisch „anavantu“ (tous vanguardia es – alle voraus), „Anarrie“ (en arriere – drehen), „Tu“ (tour – drehen) hervor.
Samba de Rueda (Rundensamba)
Dies ist ein Samba-Stil, den schon sein Name beschreibt. Die Teilnehmer formen eine Runde und singen, tanzen und klatschen, begleitet von Instrumenten wie den Atabaques, dem Pandero und dem Berimbau. Der Ursprung des Tanzes liegt im Staat Bahia, im Nordosten Brasiliens.
Diese Samba ist im ganzen Land weit verbreitet, speziell bei Capoeira-Gruppen. Samba wird durch IPHAN (Instituto del Patrimonio Histórico y Artístico Nacional) als immaterielles Erbe des Landes betrachtet.