Literatur

Literatur

Literatur gehört zu den tiefsten Ausdrucksformen der kulturellen Identität eines Volkes. Durch das geschriebene Wort werden Geschichten, Traditionen, Gedanken und Erfahrungen weitergegeben, die uns helfen, andere Lebenswelten kennenzulernen und besser zu verstehen.

In diesem Bereich möchten wir uns der literarischen Vielfalt Lateinamerikas und Österreichs annähern. Wir stellen Autorinnen und Autoren sowie Werke vor, die Teil des kulturellen Erbes dieser Regionen sind, ebenso wie zeitgenössische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die zum Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen beitragen.

Unser Ziel ist es nicht, eine vollständige Geschichte der Literatur darzustellen, sondern ein kleines Fenster zu ihrer Vielfalt zu öffnen und das Interesse an neuen Stimmen, Geschichten und Ausdrucksformen zu wecken.


Literatur in Lateinamerika

Die Literatur Lateinamerikas ist geprägt von großer sprachlicher, kultureller und historischer Vielfalt. Indigene Traditionen, europäische Einflüsse, afrikanisches Erbe sowie die Erfahrungen von Kolonialzeit, Unabhängigkeit, Migration und gesellschaftlichem Wandel haben ihre Entwicklung wesentlich geprägt.

Im 20. Jahrhundert erlangte die lateinamerikanische Literatur internationale Bedeutung. Autorinnen und Autoren wie Gabriel García Márquez, Jorge Luis Borges, Julio Cortázar, Mario Vargas Llosa, Isabel Allende und viele andere machten die literarische Vielfalt der Region weltweit bekannt.

Dabei geht es nicht nur um berühmte Namen. Auch weniger bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller tragen mit ihren Werken dazu bei, die unterschiedlichen Stimmen, Erfahrungen und Identitäten Lateinamerikas sichtbar zu machen.

In diesem Bereich möchten wir einige dieser Autorinnen und Autoren vorstellen und einen Einblick in die Vielfalt der lateinamerikanischen Literatur geben.


Mythen und Legenden

Der Mythos von der Schlange mit den sieben Köpfen

Diese Erzählung gehört zur Tradition der Tamanacos, eines indigenen Volkes aus der Orinoco-Region mit karibischer Sprachzugehörigkeit.

Die Tamanacos lebten im Gebiet des heutigen Bundesstaates Bolívar in Venezuela. Im 18. Jahrhundert wurde ein Teil ihrer Bevölkerung in Jesuitenmissionen der Region umgesiedelt. Eine wichtige Quelle für das Wissen über ihre Kultur war der italienische Jesuitenmissionar Filippo Salvatore Gilij, der mit den Tamanacos lebte, ihre Sprache erlernte und bedeutende Zeugnisse über die Völker des Orinoco hinterließ.

Zu den zentralen Gestalten ihrer Überlieferungen gehört Amalivaca, ein Kulturheros, der mit Erzählungen über den Ursprung der Welt, die Gewässer des Orinoco und die Geschichte der Vorfahren verbunden ist.

In der Mitte des Río Orinoco, gegenüber von Ciudad Bolívar, befindet sich ein besonderes geologisches Wahrzeichen der Region: die Insel „La Piedra del Medio“ – „Der Stein in der Mitte“.

Diese Felseninsel diente den „Rivereños“, den Bewohnern entlang des Flusses, als Orientierungspunkt zur Beobachtung von Ebbe und Flut beziehungsweise des Wasserstandes des Orinoco. Sie ist etwa 350 Meter lang, rund 100 Meter breit und erreicht in der Trockenzeit eine mittlere Höhe von etwa 52 Metern.

Alexander von Humboldt bezeichnete sie aufgrund ihrer Bedeutung für die Messung des Wasserstandes des Flusses als eine Art „Orinokometer“. Zugleich gilt sie in der Überlieferung als magischer Ort des Orinoco und als Sitz der Schlange mit den sieben Köpfen.

Der Mythos erhielt durch ein Ereignis im Jahr 1955 neue Bedeutung.

Am 27. Februar jenes Jahres sank in der Nähe von „La Piedra del Medio“, wo die Strömungen besonders stark sind, eine Fähre namens „La Macura“. Dieses Ereignis verstärkte in der Bevölkerung den Glauben an die Macht der Schlange über die Gewässer des Orinoco.

Die Legende im Volksgedächtnis

Nach der volkstümlichen Überlieferung von Ciudad Bolívar soll unter den Wassern des Orinoco eine gewaltige Schlange mit sieben Köpfen leben. Ihre Anwesenheit wird eng mit der „Piedra del Medio“ verbunden.

Im Laufe der Zeit wurde die alte Legende durch weitere Erzählungen ergänzt. Eine davon berichtet, dass bei Arbeiten am Fluss in der Nähe von La Múcura ein Taucher hinabstieg, um den Ort zu untersuchen. Als er wieder auftauchte, soll er tief beeindruckt gewesen sein von dem, was er nach eigener Aussage unter Wasser gesehen hatte.

Solche Geschichten wurden von Generation zu Generation weitergegeben und haben dazu beigetragen, die Legende lebendig zu halten. Sie ist bis heute Teil der volkstümlichen Vorstellungswelt von Ciudad Bolívar.

In diesen Erzählungen verbinden sich alte indigene Traditionen, die Landschaft des Orinoco und spätere Geschichten seiner Bewohner miteinander.

Ich be­schloss dieses Ge­sch­ehen bzw. den Mythos Die Schlange mit den sieben Köpfen nach den Erzähl­un­gen der Fi­sch­er und den Zeit­ungsbe­rich­ten, in mei­ner Art von Kunst zu in­terpre­tie­ren.

Biografie:

  • Cora, María Manuela de Cora, (1972) Mitos Aborígenes de Venezuela. Kuai.Mare, 2º edición,; Monte Ávila Editores Caracas
  • Diccionario de la Historia de Venezuela, Fundación Polar. p.120 – 121.
    Gilij, Felipe Salvador (1965) ensayo de historia Americana, Academia Nacional de Historia.. 3V. Caracas
  • Gumilla, José, (1963) El Orinoco Ilustrado y Defendido,: Academia Nacional de la Historia, Caracas

Unsere Autoren

In diesem Bereich stellen wir Autorinnen und Autoren vor, die ihre literarische Arbeit auf unserer Website präsentieren möchten. Damit möchten wir unterschiedlichen Stimmen Raum geben und den Austausch zwischen Literatur, Kulturen und persönlichen Erfahrungen fördern.

Maricela Botero Sánchez (Kolumbien)

Maricela Botero Sánchez ist eine kolumbianische Schriftstellerin und Dichterin aus Medellín. Sie studierte an der Universidad de Antioquia und ist seit vielen Jahren im literarischen und kulturellen Bereich tätig.

Sie nimmt an nationalen und internationalen Literaturtreffen teil und engagiert sich besonders für den kulturellen Austausch. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Kinder- und Jugendliteratur.

Ihre Gedichte und literarischen Beiträge wurden in Anthologien, Zeitschriften und anderen Publikationen in Kolumbien sowie in verschiedenen Ländern Lateinamerikas und Europas veröffentlicht.

Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagiert sie sich als Kulturvermittlerin und fördert Begegnungen zwischen Autorinnen, Autoren und literarischen Initiativen verschiedener Länder.

Frau Bo­tero-Sán­chez hat uns ges­tat­tet, hier drei ihrer Ge­dich­te zu ver­öf­fent­lichen. Es han­delt sich da­bei um wun­der­sch­öne Wer­ke der ero­ti­sch­en Dich­tkunst, die nicht über­setzt wer­den kön­nen, und mit de­nen wir uns be­son­ders an die wen­den, die Spa­ni­sch ler­nen oder es ler­nen möch­ten:

Loco deseo

Él: La besó, la apretó contra su pecho, penetró su piel, recorrió su cuello bajo a sus senos y bebió de sus jugos
Ella: Jadeaba se dejaba llevar por su desenfrenado sentir, hundía sus garras como de leona en celo en su espalda
Él: Se hundía en el bálsamo de su saliva y aliento, mordisqueaba cada milímetro se piel de carne ardiente
Ella: Lamía el sabor de macho furibundo que bañaba su cuerpo
Él: Deslizaba sus dedos por los caminos que el mismo dibujaba hasta llegar a lo montes húmedos de esa pasión desbocada
Ella: Su lengua parecía un puñal desafiante amordazaba cada rincón secreto que desencadenaba el loco deseo de estallar.

I

Acerca tu humedad
Lenta, profunda
Quémame con tu fuego
Penetra mi piel
Recorre mi sangre
Atraviesa mis huesos
Quédate en mí
Cuerpo

II

Y volvieron sus manos a Tocarme y su lengua a penetrar
Los laberintos de mi piel
Mientras mi deseo
Se desnudaba
Para
Ti

Maricela Botero Sánchez
(Tomado del libro “Con Sabor a Lujuria” editado 2008 todos los derechos reservados)

Literarische Veranstaltungen

Ma­ricela Bo­tero-Sán­chez hat an ei­ner Vielzahl von lite­rari­sch­en Ver­anstalt­un­gen teil­ge­nom­men bzw. mit­ge­wirkt:

  • Drit­tes Tref­fen der Mujeres Poetas de Antioquia, Me­delin, An­tioquia, 2005
  • IX Buch­mes­se für Ge­sund­heit, von der Me­dizi­ni­sch­en Bib­liothek der Me­dizi­ni­sch­en Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät von An­tioquia or­ga­nisiert, Me­del­lin, 2006
  • X Tref­fen der Poetas de la Zona Noroccidental, or­ga­nisiert von An­tioquia COM­FE­NALCO, Me­del­lin, 2008
  • X Buch­mes­se für Ge­sund­heit: Die Ge­schich­te des Ge­sund­heitswesens in der Me­dizi­ni­sch­en Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät von An­tioquia, Me­del­lín, 2008
  • 1. In­terna­tiona­les Dich­tkunstfes­ti­val der Nordwestzo­ne, 2009
  • XI Tref­fen der Poetas de la Zona Noroccidental, or­ga­nisiert von An­tioquia COM­FE­NALCO-Me­del­lin, 2009
  • VII Tref­fen der Mujeres Poetas de Antioquia, Me­del­lín, 2009
  • Banquete eró­tico Fun­dación uni­ver­si­taria San Mar­tín-Me­del­lín, 2009
  • XXV Tref­fen von Dich­te­rin­nen Ko­lum­bien, Val­le del Cauca Rol­da­nil­lo, 2009
  • 5. In­terna­tiona­les Tref­fen der Dich­tkunst Octubre tras las huellas del poeta, Chi­le, 2009
  • 5. Rezi­tation der Dich­tkunst Flori­da, Val­le del Cauca, 2009
  • XII Tref­fen der Poetas de la Zona Noroccidental, or­ga­nisiert von An­tioquia COM­FE­NALCO-Me­del­lin, 2010
  • II Fes­ti­val mun­dial de Eco poesía, Tum­bes, Pe­rú 2010

Literatur in Österreich

Die österreichische Literatur blickt auf eine lange und vielfältige Tradition zurück. Sie reicht von mittelalterlichen Dichtungen über die großen literarischen Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zur zeitgenössischen Literatur.

Zahlreiche österreichische Autorinnen und Autoren haben mit ihren Werken gesellschaftliche Entwicklungen, persönliche Erfahrungen, politische Veränderungen und Fragen der Identität aufgegriffen. Zu den international bekannten Namen zählen unter anderem Bertha von Suttner, Ingeborg Bachmann, Stefan Zweig und viele weitere.

In diesem Bereich möchten wir einige bedeutende Persönlichkeiten und Werke vorstellen und damit einen Einblick in die Vielfalt der österreichischen Literatur geben.

Bertha von Suttner

Bertha von Suttner wurde 1843 in Prag geboren und starb 1914 in Wien. Sie war Schriftstellerin, Journalistin und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Friedensbewegung.

Besonders bekannt wurde sie durch ihren Roman „Die Waffen nieder!“, der 1889 erschien und zu einem der wichtigsten Werke der pazifistischen Literatur wurde.

1905 erhielt Bertha von Suttner als erste Frau den Friedensnobelpreis. Ihr Engagement für Frieden, Verständigung und internationale Zusammenarbeit machte sie weit über Österreich hinaus bekannt.

Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann wurde 1926 in Klagenfurt geboren und starb 1973 in Rom. Sie zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts.

Ihr Werk umfasst Lyrik, Erzählungen, Essays und Hörspiele. In ihren Texten setzte sie sich intensiv mit Sprache, Erinnerung, Krieg, gesellschaftlichen Strukturen und den Beziehungen zwischen Menschen auseinander.

Zu ihren bekanntesten Werken gehören unter anderem „Die gestundete Zeit“, „Anrufung des Großen Bären“ und der Roman „Malina“.

Mit ihrer unverwechselbaren Sprache und ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft prägte Ingeborg Bachmann die deutschsprachige Literatur nachhaltig.